das Neue Jahr hat begonnen. Es steht unter dem Stern, der vom Himmel über Bethlehem in die ganze Welt hinausstrahlt. Der Stern führt die Menschen zusammen zur Einheit. Jesus Christus, das Licht der Welt eint sie im Glauben an den Gott der Liebe und des Friedens. Ich lade Sie herzlich ein, die Einheit der Christen in der Gebetswoche vom 18.-25. Januar zu Ihrem Gebetsanliegen zu machen. Vielleicht mit dem Trierer Pilgergebet:

Herr Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt! Gedenke deiner Christenheit, und führe zusammen, was getrennt ist.

Zusammenführen ist auch ein wichtiges Stichwort für unsere Pfarreien in diesem Jahr. „Weite pastorale Räume errichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern“ heißt der dritte Perspektivwechsel der Bistumssynode. Die Zukunft der Pfarreien liegt noch stärker als bisher im gemeinsamen Weg, in der gegenseitigen Unterstützung. Dazu wird am 1.1.2023 der Pastorale Raum errichtet, und die jetzigen Pfarreiengemeinschaften werden fusionieren. In unserem Fall befürworten die Räte eine „große Fusion“ der Pfarreiengemeinschaften Simmern und Rheinböllen ebenfalls zum 01.01.2023. Die Räte werden es in einer Klausur am 5./6. März beraten. Wir wollen Sie dann in Gemeindeversammlungen darüber informieren und Ihre Gedanken dazu hören (nach den Sonntagsmessen 13.3. in Ravengiersburg, 20.3. in Simmern, 27.3. in Ravengiersburg).

Der Stern leuchtet auch über den Veränderungen im neuen Jahr:

  • Unsere Gemeindereferentin Christina Bender ist nach ihrem Erziehungsjahr mit ihrem Sohn Michel wieder zurück im Dienst. Herzlich willkommen!
  • Nach der Versetzung von P. Joseph nach Berlin hat Bernhard Feger dankenswerterweise zugesagt, zusätzliche Dienste zu übernehmen. Leider ist er aber jetzt erkrankt und fällt damit auch aus. Das Bistum hat einen neuen Kooperator für die Pfarreiengemeinschaft Simmern zugesagt. Bis Redaktionsschluss liegt aber keine Ernennung vor. Die Priester und Diakone im Dekanat werden aushelfen, wenn es eng wird.
  • Im Trauerfall sind die Trauerfeiern und Beisetzungen auf dem Friedhof gewährleistet. Sterbeämter wird es aber bis auf weiteres keine geben. (Im Terminkalender des Pastors haben die Beerdigungen dann natürlich Vorrang vor anderen Terminen.)

Im Licht zeigen sich auch die Herausforderungen deutlicher, vor denen wir stehen. Nach fast zwei Corona-Jahren ist die Ermüdung und Entfremdung Vieler in unseren Pfarreien nicht mehr zu übersehen:

  • Bei der Wahl zu den Räten im November konnten wir nicht oder nur mit großer Mühe genügend Mitglieder finden.
  • Das gleiche zeichnet sich jetzt für die Wahl zu den Verwaltungsräten ab.
  • Der Empfangsdienst für die Gottesdienste hängt an einigen Wenigen, denen ich sehr ausdrücklich danke. Die Motivation dafür ist aber so weit zurückgegangen, dass z.B. die Christmette in Simmern fast hätte ausfallen müssen, weil wir bis Tags vorher noch keinen Empfangsdienst gefunden hatten!
  • urch die Pandemie-Regeln, die Anmeldepflicht und die begrenzte Teilnehmerzahl bei den Gottesdiensten haben auch viele „Kirchgänger*innen“ sich spürbar vom Gottesdienst entfremdet. Sie schauen Fernseh-Gottesdienste oder verzichten ganz. Ob ihnen etwas fehlt?
  • Die Kirchenaustritte (bei uns!) haben im vergangenen Jahr ein dramatisches Maß angenommen. Es treten mittlerweile nicht mehr nur Gläubige aus, die der Kirche sowieso schon immer fernstanden, sondern auch Gläubige, die bisher durchaus am Gemeindeleben teilgenommen haben.
  • Eine Katastrophe war der Leitartikel des SPIEGEL vom 11. Dezember über den sexuellen Missbrauch im Bistum Trier. Er hat ein verheerendes Bild auf das Bistum geworfen, sowohl was den Missbrauch als auch was die mangelhafte Aufarbeitung der Verbrechen betrifft. Haupt- und Ehrenamtliche der Pfarreiengemeinschaft und die Dekanatskonferenz haben sich in der darauffolgenden Woche darüber ausgetauscht. Es wurde deutlich, dass die Verletzung, die Enttäuschung und die Wut über den Missbrauch bis in den innersten Kern geht. Viele können sich wohl noch mit ihrem Glauben, aber nicht mehr mit dieser Kirche und ihren Amtsträgern identifizieren. Die Freude an der Kirche ist Vielen von uns vergangen. Das ist traurig und ein Alarmsignal, falls es eines solchen überhaupt noch bedarf.

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir uns zu der „heiligen katholischen Kirche“. Nach der Aussprache zum SPIEGEL-Artikel werden wir bis auf weiteres diesen Text nicht mehr beten. Wir wissen, dass „katholisch“ hier nicht die römisch-katholische sondern die weltweit-ökumenische Kirche bedeutet. Wir können es aber beides im Empfinden auch nicht voneinander trennen. Wir beten oder singen künftig eines der Glaubensbekenntnis-Lieder aus dem Gotteslob, in denen dieser Artikel ausgespart ist.

Im Pfarreienrat müssen wir über die Kirchen-Krise mit ihren verschiedenen Aspekten sprechen. Ich bin aber allen Gemeindemitgliedern dankbar, wenn Sie dem Seelsorgeteam im Gespräch oder schriftlich Ihre Meinung dazu sagen.

Nehmen wir den Stern* mit in das Jahr 2022. Er soll uns beschützen, ermutigen und leiten.

Ihr Lutz Schultz