„Zur Weisheit im Glauben gehört aber ebenso, unseren Glauben immer wieder neu zu orientieren und das Reich Gottes in den Zeichen der Zeit zu erkennen, also mitten im täglichen Leben. Alle, die ihr Leben aus dem Glauben heraus gestalten und interpretieren, werden immer wieder diese Zeichen spüren und erkennen und können ihr Leben und auch ihren Glauben so jeden Tag neu auf Gott hin ausrichten. Das ist Neuorientierung – den Glauben auf den Tag und die Stunde bringen.“
(Zitat aus der Frauenmesse am 24. November in Simmern)

Warum gestalten wir den Altarraum in der Josefskirche neu?

Es gibt zwei Gründe:

Der erste Grund ist der Ort für das Wort Gottes, der Ambo. Bisher verschwand er mehr oder weniger nichtssagend hinter der massiven Kommunionbank. Das ist der Bedeutung des Ambos nicht angemessen. Das Konzil spricht von den zwei Tischen, die uns in der Messe gedeckt werden: der Tisch des Wortes und der Tisch des Altares. Das Wort Gottes ist sakramental, weil Gott darin zu uns spricht. Das muss auch im liturgischen Raum erfahrbar werden.

Der zweite Grund ist die Zeitgenossenschaft. Wir haben eine wunderbare barocke Kirche, die uns in ihrer ganzen Gestaltung viel erzählt über die Tradition unseres Glaubens. Was der Kirche aber fehlt ist die Gegenwart. Es ist die Frage, ob wir ein Barockmuseum haben wollen mit der Aussage: „Hier können Sie sehen, wie Katholiken im Barock die Messe gefeiert haben.“ (Dann müssten wir uns konsequenterweise auch in der Mode des 18. Jahrhunderts kleiden.) Oder ob wir eine Kirche haben wollen, die ihre Tradition pflegt und gleichzeitig ganz im Heute lebt und glaubt. Wo Gemeinde lebendig ist, trägt sie auch ihre Zeit in den Kirchenraum ein. (Beispiel Kreuzweg Hunsrückdom) Genau das fehlt in unserer Kirche. Zum Heute gehört auch, dass das Konzil eine Gemeinde um den oder zumindest nah am Altar vor Augen hat, die nicht durch Barrieren in zwei „Klassen“ geteilt wird. (Abgesehen davon, dass die Kommunionbank ihren Sinn als Ort der Kommunionspendung verloren hat und nur noch als Blumenbank oder Abstellfläche dient.)

Man könnte noch praktische Störungen der Liturgie nennen: Wenn Kinder die Messe mitgestalten, verschwinden sie hinter der Kommunionbank. Was ist wichtiger: die Kommunionbank oder die Kinder?

Zur Kritik an der Ästhetik der neuen liturgischen Orte: Es sind vorläufige Platzhalter, damit wir eine Vorstellung davon bekommen, wie der Altarraum künftig aussehen soll. Selbstverständlich müssen es am Ende künstlerisch gestaltete Orte sein. Aber soweit sind wir noch nicht.

Es geht darum, den Glauben und die Liturgie „auf den Tag und die Stunde zu bringen“.

(Zum Verbleib der alten Dinge: Altar und Ambo sind hinter dem Hochaltar deponiert, die Kommunionbank im Keller der Familienbildungsstätte.)

Mir gefällt eine Reaktion, die mehrfach gekommen ist: „Es ist ungewohnt.“ In der Tat, es verändert unsere Sehgewohnheiten. Manche mögen das, manche nicht. Beides darf sein. Ich lade aber herzlich ein, die erste Reaktion auf das Ungewohnte nicht gleich in Stein zu meißeln. Ich lade ein, sich einzulassen und zu warten, was hinter der ersten Reaktion kommt. Ich lade auch ein, miteinander darüber zu sprechen. Wir werden Anfang des Jahres auch ein Gemeindegespräch darüber führen. Ich lade vor allem ein, in dem Neuen Gottesdienst zu feiern, den Advent und Weihnachten. Es muss durchbetet werden. Am Ende werden wir uns ein ruhiges Urteil bilden, wie es werden soll.

Gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und herzliche Grüße

Lutz Schultz