St. Maria Reizenborn (Filialkirche)


Förster-Ludwig-Straße 20
D – 55469 Riesweiler

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Geschichte


Die 28 katholischen Familien der Filialgemeinde Riesweiler fassten nach dem 2. Weltkrieg den Entschluss, in ihrem Dorf eine Kapelle zu bauen. Dafür gründeten sie zunächst am 16.03.1947 einen Kapellenbauverein.

Die neue Kapelle sollte an die Tradition der alten Wallfahrtskirche “Maria Reizenborn” im Soonwald, die im Franzosenkrieg zerstört worden war, anknüpfen. Am Ortsausgang Richtung Gemünden stellte die Ortsgemeinde ein Grundstück zum Bau einer katholischen Kirche zur Verfügung. Die Mitglieder des Kapellenbauvereins waren nicht sehr begütert, aber sie brachten durch Beiträge und Spenden sowie Theateraufführungen durch die Dorfjugend zu Gunsten des Bauwerkes einen Teil des benötigten Geldes zusammen. Auch die evangelischen Mitchristen halfen sowohl finanziell als auch durch handwerkliche Arbeiten am Bau kräftig mit, um das geplante Projekt zu verwirklichen.

Ende September 1948 begannen freiwillige Helfer damit, den Keller und die Fundamente der Kirche von Hand auszugraben. Bruchsteine für Fundament und Kellermauern wurden im nahe liegenden Soonwald zusammengetragen und mit Pferdefuhrwerken zur Baustelle gebracht. Männer und Frauen sowie die Dorfjugend waren bis zum Wintereinbruch gleichermaßen am Bau tätig.

Erst im Oktober 1949 konnten die Arbeiten an der Kapelle fortgesetzt werden. Die Grundmauern wurden auf Sockelhöhe hochgezogen und die Kellerdecke gelegt. Nach einer zweiten längeren Baupause, ca. Mitte März 1950, setzte man die Arbeiten fort, und bis Pfingsten 1950 war die Kapelle bis auf Gerüsthöhe gediehen.

Am Pfingstmontag, es war der 28. Mai des Jahres 1950, fand die feierliche Grundsteinlegung durch Herrn Dechant Jakob Hart aus Simmern statt, nachdem bereits am Pfingstsonntag in einer feierlichen Prozession ein Kreuz zur Kapelle gebracht worden war, das am Altarplatz aufgestellt wurde.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und unter Mitwirkung des damaligen Simmerner Kaplans Wilhelm Oertel segnete Dechant Hart den Grundstein, und Maurermeister Peter Theis fügte ihn ins Mauerwerk ein. Er sitzt in einer Nische bei der östlichen Kirchenpforte und trägt die lateinische Aufschrift “Lapis primarius 1950”. Nach der Grundsteinlegung wurde mit Eifer weitergearbeitet. Männer, Frauen und Jugendliche halfen unentgeltlich als Handlanger. Am 20. und 21. September 1950 konnte das Dach aufgeschlagen werden. Viele Katholiken und Helfer feierten nach dem Festakt im Nachbarhaus der Familie Schönborn das Richtfest.

Im Juni 1951 wurde der Glockenturm aufgeschlagen, und bis August des Jahres waren Dach und Turm bereits mit Schiefer eingedeckt. Ein Steinmetz aus dem Dorf fertigte Altar und Kommunionbank aus Zementguss an, setzte Treppen und legte die Steinplatten in Chor und Kirchenschiff. Im Juli wurde die Decke eingezogen und im Oktober waren die Innenwände verputzt.

Den Holzboden, auf dem heute noch die Bänke stehen, setzte man auf mit Kohlenasche verfüllte Balken, unmittelbar auf den Lehmboden, denn das Kirchenschiff ist nicht unterkellert. Eine Trierer Firma setzte die Bleiglasfenster ein, und der Tabernakel und ein Safe in der Sakristei wurden eingebaut. So war zu Beginn des Jahres 1952 der Kapellenbau fast fertig gestellt.

Voller Stolz schauten alle Beteiligten auf das gelungene Werk, und es ist auch heute noch erstaunlich, wie das in den harten Nachkriegsjahren von den wenigen Riesweiler Katholiken geschafft werden konnte. Die Krönung erfuhr das Werk durch die feierliche Weihe am Pfingstmontag, dem 02. Juni 1952. Es war ein freundlicher Sommertag, und der Ort war mit Kirchenfahnen und Grün festlich geschmückt. Das ganze Dorf war auf den Beinen, Gläubige aus den Nachbargemeinden Tiefenbach, Sargenroth, Mutterschied und Argenthal und der Pfarrei Simmern waren gekommen, um an der ersten Messfeier in der neuen Kapelle teilzunehmen. Zahlreiche Geistliche aus dem Dekanat waren anwesend sowie Amtsbürgermeister Schrieder aus Rheinböllen und die Gemeindevertreter von Riesweiler. In einer Prozession wurde Dechant Hart mit dem Alterheiligsten am Dorfeingang abgeholt. Vor der Kapelle war ein Altar errichtet, um die Monstranz mit dem Allerheiligsten dort abzusetzen.

Zunächst wurde die neue Kirche von außen und innen gesegnet und das Weihegebet gesprochen, gefolgt von einem feierlichen Hochamt. Der Simmerner Kirchenchor hatte die musikalische Gestaltung übernommen. Nicht alle der sehr zahlreichen Gottesdienstbesucher fanden Platz in der Kapelle und verfolgten die Messfeier vom Kirchenvorplatz aus. In der Festpredigt dankte Dechant Hart in bewegten Worten allen Helfern und Spendern für das Gelingen des Werkes. Er selbst hatte es nicht für möglich gehalten, dass das Vorhaben der 28 katholischen Familien des Dorfes, eine eigene Kirche zu bauen, Wirklichkeit werden konnte.

Von einer hohen Tanne im Wald an der Stelle der alten Wallfahrtskirche “Maria Reizenborn” grüßte eine Fahne zum Zeichen, dass die neue Kapelle die Tradition der alten Wallfahrtskapelle nun fortsetzen wird. Für alle Teilnehmer blieb dieser Kirchweihtag ein denkwürdiges und unvergessliches Ereignis und ist auch heute noch, nach 50 Jahren, in sehr guter Erinnerung geblieben.

Im Sommer 1952 kaufte der Kapellenbauverein 2 gebrauchte Eisenglocken von der katholischen Kirchengemeinde Waldalgesheim. Am Sonntag, dem 7. September 1952, fand die feierliche Glockenweihe durch Herrn Dechant Hart statt. Die größere Glocke erhielt den Namen “Maria”, weil die Kapelle der Muttergottes geweiht ist, die kleinere Glocke den Namen “Josef” in Verbundenheit mit der Simmerner Pfarrkirche, die dem hl. Josef geweiht ist. Der Messkelch aus dem Jahr 1755 und der Speisekelch aus dem Jahr 1764 stammen von der alten Wallfahrtskirche Maria Reizenborn im Soonwald und werden bis heute im Gottesdienst gebraucht. Ein altes Messbuch von Maria Reizenborn ist auf den Bildern der Einweihung noch zu sehen, es wurde im Pfarrhaus von Simmern aufbewahrt, ist aber beim Umbau des Pfarrhauses leider abhanden gekommen.


Am Pfingstmontag eines jeden Jahres wird mit einem feierlichen Hochamt der Riesweiler Kirchweih gedacht. Die Sonntagsmessen in Riesweiler waren damals sichergestellt durch Kapläne aus Simmern und Patres der Missionsschule der Hl. Familie aus Ravengiersburg. Jetzt wurden auch in Riesweiler Brautpaare getraut, Kinder getauft und Sterbeämter gehalten. Früher mussten die Katholiken sowohl für diese Anlässe als auch zur Sonntagsmesse, zur Beichte, zum Kommunionunterricht immer zu Fuß oder mit Pferdefuhrwerken nach Simmern kommen.

Als Dank für den gelungenen Kirchenbau in Riesweiler haben einige ältere Frauen aus dem Dorf gelobt, jeden Abend, so lange sie leben, in der Kapelle den Rosenkranz zu beten. Dies haben sie weit über 20 Jahre lang auch getan, bis es krankheits- und altersbedingt nicht mehr möglich war.

Am 15. August 1970 erhielten die Riesweiler aus dem Nachlass von Herrn Dechant Hart eine barocke Madonnenstatue. Die Gemeinde freute sich sehr über dieses Geschenk, hatte sie doch jetzt auch eine Figur ihrer Schutzpatronin in der Kirche. Sie wurde zunächst über dem Hochaltar aufgestellt.

Nach dem Abriss des Simmerner St. Josefs-Krankenhauses 1977 erhielten die Riesweiler ein Holzkreuz und eine St. Josefs-Figur aus der dortigen Hauskapelle. Das Kreuz wurde über dem Hochaltar aufgehängt, und als Hintergrund kaufte man einen dunkelroten Samtvorhang. Die Marienstatue erhielt nun einen passenden Holzsockel, und man hängte sie an die linke Stirnwand des Kirchenschiffes, die Josefs-Statue fand ihren Platz auf der rechten Seite neben der Pendeltür des alten Eingangs. Die Mitglieder der KAB Simmern sammelten 1975 Geld für eine gebrauchte Elektronik-Orgel und spendeten diese der katholischen Kirche in Riesweiler. Frau Berta Sturm aus Simmern spielte nun viele Jahre lang die Orgel in allen Gottesdiensten. Ihre Nachfolge trat die damalige Schülerin Christina Kraemer aus Riesweiler an, die von 1985-1995 als Organistin tätig war.

Die allgemein rückläufige Zahl der Priester führte auch zum Rückgang der Sonntagsmessen in den Filialen. Einige Jahre lang war die Feier der Sonntags- und Werktagsmessen noch durch die Ruhestandsgeistlichen Pastor Böhm und Pastor Piroth aus Simmern, hin und wieder auch durch Patres aus Ravengiersburg sichergestellt. Ab dem Jahr 1983 wurden Laien aus der Gemeinde mit dem Lektorendienst in den hl. Messen sowie selbständiger Durchführung von Wortgottesdiensten mit Kommunionfeier durch den Trierer Bischof beauftragt. So wuchs immer mehr das Bewusstsein der Mitverantwortung für das religiöse Leben in der Gemeinde. Das Verhältnis zu den evangelischen Mitchristen ist in Riesweiler nach wie vor sehr gut. Es gibt des Öfteren gemeinsame ökumenische Veranstaltungen bis in die heutige Zeit.

Im Frühjahr 1992, vierzig Jahre nach der Einweihung, wurden bei einer Begehung der Riesweiler Kapelle gravierende Mängel an der Bausubstanz festgestellt. In Zusammenarbeit mit Pastor Florin und dem Verwaltungsrat musste man eine grundlegende Sanierung der Riesweiler Kirche in Erwägung ziehen. Der Antrag wurde von Trier genehmigt, und im März 1993 konnte mit den Renovierungsarbeiten an der Kapelle begonnen werden.

Die Kirche wurde außen und innen restauriert. Das Dach musste neu gedeckt werden, weil es stellenweise durchregnete. Der Glockenturm war marode, in diesem Zusammenhang elektrifizierte man das Geläute. Die Heizung war veraltet, die Steinplatten im Kirchenschiff mussten im Rahmen der Bauarbeiten, u. a. Aufbau eines Volksaltares und eines Ambos ausgewechselt werden. Es musste ein neuer Kellereingang angelegt werden, in diesem Zusammenhang wurde auch eine Toilette eingebaut und die Kirche wurde komplett neu angestrichen. Der Blitzschutz war nicht mehr gewährleistet und wurde erneuert. Auch der Jägerzaun um die Kirche war morsch. Trotz Zuschuss durch das Bistum war die Durchführung dieser umfangreichen Renovierungsarbeiten nur möglich, weil viele Spenden eingingen.

Auch die Zivilgemeinde Riesweiler beteiligte sich sowohl an der Außen- als auch an der Innenrenovierung mit einem größeren Geldbetrag. Außerdem hatte der verstorbene Pastor Josef Böhm die Riesweiler Katholiken in seinem Testament bedacht. An dieser Stelle sei nochmals ein herzlicher Dank gesagt an alle Spender und die ehrenamtlichen Helfer, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, die Kirche in diesem Umfang zu sanieren. Nach über 3 Jahren der äußeren und inneren Renovierung erstrahlte die Kapelle “Maria Reizenborn” am 9. März 1996 im neuen Glanz.

Am Sonntag, 17. März 1996, weihte Herr Regionaldekan Günter Becker aus Bad Kreuznach in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und Gläubigen Volksaltar und Ambo feierlich ein. Nach der Messe waren die über 200 Teilnehmer des Festhochamtes zu einer kleinen Feier mit Kaffee und Kuchen in die Soonblickhalle Riesweiler eingeladen.

Am Pfingstmontag des Jahres 2002 gedachten die Riesweiler Katholiken in einem von Herrn Pastor Fuchs zelebrierten feierlichen Hochamt, unter Mitwirkung der Kinder und des Gemischten Chores Riesweiler, der Grundsteinlegung unserer Kapelle vor 50 Jahren. Die Erinnerung an die Vorfahren, die das für die damalige Zeit für unmöglich gehaltene Werk zustande gebracht haben, soll mit dieser Kirche hochgehalten werden.

Im Jahre 2011 wurde der ehemalige Altar aus der Krankenhauskapelle des früheren St. Josefs-Krankenhauses in Simmern in den vorhandenen Hochaltar integriert. Die Riesweiler feiern ihren Kirchweihtag – in Erinnerung an die alte Wallfahrtskirche – heute noch am zweiten Pfingsttag. Am Montag vor Christi Himmelfahrt gibt es eine große Bittprozession vom Waldrand zur Gedenkstätte “Maria Reizenborn” mit Feier der heiligen Messe dort im Freien.


 

Fotos: Rolf Krämer