St. Maria Magdalena / 14 Nothelfer (Filialkirche)


Simmerner Straße 4
D – 55469 Mutterschied

Anfahrt


Geschichte


“Von den zahlreichen Filialen der Pfarrei Simmern ist Mutterschied die bedeutendste wegen der Katholikenzahl, vor allem aber weil dort frühzeitig eine Kapelle errichtet wurde.”

 

Mit dieser Feststellung beginnt Josef Böhm seine Mutterschieder Kirchenchronik. Wegen der beiden genannten Gründe für die besondere Stellung in der 1686 gegründeten Pfarrei war der Bau der Pfarrkirche St. Josef in Simmern für die Filialgemeinde ein wichtiger Einschnitt.

Die Mutterschieder Kirchengeschichte reicht weit zurück. Ihre Anfänge sind bislang unbekannt, ebenso, wann erstmals eine Kirche gebaut worden ist. Zumindest gab es bereits eine Kapelle an derselben exponierten Stelle, die noch heute das Gotteshaus einnimmt. 1368 war sie Filiale der Pfarrkirche Simmern. Unter Herzog Johann II. erhielt der Ort 1536 einen eigenen Priester, der auch für Riesweiler zuständig war. Nach Einführung der Reformation 1557 gehörte Mutterschied von 1608 an zur Pfarrei Schnorbach, nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder zu Simmern. Bei der 1706 durchgeführten Aufteilung der Kirchen im Oberamt Simmem unter den Konfessionen (Kauber Kirchenteilung) blieb die Mutterschieder Kapelle unberücksichtigt, da sie nach dem Dreißigjährigen Krieg zerfallen war.

Verschiedene Berichte belegen den lebendigen Glauben in der Filiale der jungen Pfarrei Simmern. In dem Gemeindesaal im Backhaus gegenüber der Kirche fanden Andachten statt. 1734 wird von Fastenandachten berichtet, die der Pater aus Simmern und der in Mutterschied unterrichtende katholische Lehrer hielten. 1753 wurde an der Straße nach Simmern ein Wegekreuz errichtet, das der Simmerner Karmeliterpater Otto a Matre Dei (1753-1764) nach einer Andacht im Gemeindesaal und einer Prozession weihte. Aufgrund des Gegensatzes der Konfessionen kam es auch zu Schwierigkeiten wie in der gesamten Pfarrei. Beide Konfessionen bestatteten aber weiterhin die Toten auf dem Friedhof rund um die zerfallene Kapelle. Sie beschafften 1740 gemeinsam eine neue Glocke für den Glockenstuhl, dessen Nachfolger noch den Dorfmittelpunkt prägt.

Der Bau der Pfarrkirche in Simmern ermutigte die Filialgemeinde, die zerfallene Kapelle wiederaufzubauen. Verständlich wird dieses Anliegen, wenn man die Zahl der Mutterschieder Katholiken im Vergleich zur gesamten Pfarrei betrachtet. Diese zählte etwa 400 Katholiken, davon lebten ca. 200 in Simmern und 100 in Mutterschied. Die Filiale machte also ein Viertel der Pfarrei aus. Die Evangelischen erhoben Einspruch gegen den Bau, da ihnen nach ihrer Ansicht auch ein Teil der zerfallenen Kapelle gehörte. 1753 durften die Mutterschieder Katholiken im gesamten Oberamt Simmern eine Kollekte halten, um die Kirche aufzubauen. Sie erhielten aus dem Argenthaler Wald acht bis neun Baumstämme.

“16 Männer errichteten den Bau, Es gehörte viel Mut und Opferbereitschaft dazu, ein solches Werk zu unternehmen.”

 

Am 22. Januar 1758 benedizierte Pater Otto a Matre Dei die Kapelle, die später von Weihbischof Nebel aus Mainz konsekriert wurde. Patrone wurden die 14 Nothelfer, die auf dem Altarbild zu sehen sind. Das jährlich gefeierte Patronat der Maria Magdalena geht wahrscheinlich auf die Vorgängerkapelle zurück. Am 2. Mai unternahmen erstmals Simmerner Katholiken eine Bittprozession nach Mutterschied, ein Brauch vor Christi Himmelfahrt, der noch heute fortbesteht.

So alt wie die Kapelle ist der Wunsch nach einer Sonntagsmesse. Jedoch wurde dies zunächst von der bischöflichen Behörde in Mainz untersagt. Sie führte bei der Erlaubnis der Kapellenweihe Ende 1757 als Grund die Beeinträchtigung der Kirchenbesucherzahl in der Pfarrkirche an. Angesichts der Größe der Filialgemeinde ist dies nicht verwunderlich. Nach einem neuen Gesuch verweist Pater Otto a Matre Dei in seiner Stellungnahme am 28. November 1758 auf die geringen finanziellen Möglichkeiten der Katholiken. Seinem Kompromissvorschlag, einmal im Monat eine Sonntagsmesse zu halten, stimmt Mainz zu. Da dieses Antwortschreiben nicht rechtzeitig vor Weihnachten eintraf, zeigten sich die Mutterschieder engagiert und ließen einen Franziskanerpater aus Spabrücken kommen, um eine Weihnachtsmesse in der neuen Kapelle feiern zu können.


Pater Otto a Matre Dei wehrte sich sehr heftig gegen dieses Vorhaben, und ein Dekret des Oberamtes Simmern vom 23. Dezember 1758 drohte sogar eine Strafe von 10 Talern an, falls die Mutterschieder ihre Absicht durchsetzen sollten. Der Wunsch nach einem regelmäßigen Sonntagsgottesdienst blieb über die Jahrhunderte lebendig und ging von 1793 bis 1804 in Erfüllung. Kaplan Hermes berichtet, dass noch 1882 vom alten Recht auf Sonntagsgottesdienst erzählt wurde.

“… mit Wehmut gedenken sie des Untergangs jener alten Herrlichkeit und erhoffen mit unerschütterlicher Hoffnung die baldige Rückkehr jener goldenen Zeiten.“

 

Im 19. Jahrhundert verließen viele Auswanderer den Ort, Manche stellten als Erinnerung Wegekreuze an der Hauptstraße auf, die noch heute charakteristisch für das Dorf sind. Insgesamt wanderten von 1843 bis 1852 135 Personen aus.

Wiederholt wurden im 19. Jahrhundert Ausbesserungsarbeiten an der Kapelle vorgenommen. 1912/13 erhielt die Kirche einen neuen Anstrich. Der wohl ursprünglich weiße Innenanstrich, der an den Fenstern und am Chorbogen mit bunten Ornamenten versehen war, wurde durch eine eher neugotische Farbfassung ersetzt. Die Kapelle war zu dieser Zeit mit einem Beichtstuhl im Chor und einer Kanzel an der linken Wand des Kirchenschiffs, deren Position noch erkennbar ist, ausgestattet. Die Zeit des Nationalsozialismus wirkte sich auch auf die Filialgemeinde Mutterschied aus. Nach den Herbstferien 1937 durften die Pfarrer und Kapläne die Schule nicht mehr betreten. Der Religionsunterricht wurde vor Schulbeginn gehalten. In diesem Jahr führte Dechant Hart, der “mit sicherem Blick die Zeichen der Zeit deutete” die regelmäßige Sonntagsmesse ein, ein kluger Schritt zur Festigung des Glaubens in einer schweren Zeit.

Bis 1956 wurde die Kirche erneut renoviert. Sie wurde innen weiß gestrichen. Der Kirchenrestaurator Thienelt, der zuvor schon in Simmern die Altäre restauriert hatte, versah den Altar mit einer Marmorimitation. Man entfernte den Beichtstuhl und die Kanzel. In den 70er Jahren wurden die alten Bänke aus der Bauzeit durch neue moderne ersetzt.

Nachdem bereits seit den 70er Jahren keine Kapläne mehr in Simmern waren und verstärkt Ruhestandsgeistliche die Messen in den Filialen Mutterschied und Riesweiler hielten, musste 1983/84 eine neue Regelung für die Sonntagsmessen gefunden werden. Es wurde einmal monatlich ein Wortgottesdienst eingeführt. An zwei Sonntagen fanden Messen statt.

Die letzte große Renovierung erfolgte 1990. Nachdem bereits 1984/85 der Turm neu beschlagen worden war, wurde der Außenputz erneuert und die Außenanlagen gestaltet. Es waren umfangreiche Maßnahmen gegen den Salpeter- und Pilzbefall nötig. Außerdem erhielt die Kapelle neue Fenster und eine neue Heizung. Der Innenraum erstrahlt wieder in Anlehnung an die ursprüngliche Ausmalung in einem hellen Kalkanstrich mit farbigen Ornamenten. Ambo und Volksaltar, die aus Teilen der Kommunionbank der Kapelle des St. Josefs-Krankenhauses bestehen, weihte am 23. Juni 1991 Generalvikar Jakob ein. Er hatte einst als Simmemer Kaplan in der Kapelle Dienst getan und wurde einige Jahre später Weihbischof von Trier. Er versah den Altar mit einer Reliquie der Seligen Schwester Blandine Merten.

Wegen des rasanten Wachstums einiger Dörfer ist die Filialgemeinde Mutterschied zur Zeit nicht mehr die größte Filiale der Pfarrei. Seit Beginn der 90er Jahre findet nur noch einmal im Monat ein Wortgottesdienst als regelmäßiger Sonntagsgottesdienst statt. Kreuzweg-, Mai- und Rosenkranzandachten werden regelmäßig gehalten. Ein besonderer Akzent wurde 2000 durch Andachten im Heiligen Jahr gesetzt. Den äußeren Änderungen zum Trotz zeugt die Kapelle mit ihrer Jahrhunderte währenden Geschichte von dem gelebten Glauben und Gottvertrauen der Filialgemeinde als wichtigem Bestandteil der Pfarrei. Denn, wie Psalm 127 versichert,

“wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst der daran baut”.


 

Fotos: Gottfried Hess, Frank Klemm